Lasertherapie bei Tieren

Immer mehr Tierärzte, Tierheilpraktiker und Tierphysiotherapeuten nutzen den Laser.
Die Lasertherapie ist in der Humanmedizin seit Jahrzehnten fest etabliert, die Anwendung in der Tiermedizin hat dagegen erst in den letzten Jahren eine beschleunigte Verbreitung erfahren. Das liegt zum einen daran, dass es lange keine wirklich effektiven Laserapplikationen für Tiere gab- deren Fell natürlicherweise ein Therapiehindernis für die Laserstrahlen darstellt und damit die Heilerfolge beeinträchtigt- , zum anderen wurden von den Tierhaltern bei weitem nicht so häufig schmerz- und nebenwirkungsfreie Alternativen zu herkömmlichen Therapiemethoden nachgefragt wie heute.

Wo und wie können Sie Lasertherapie einsetzen? Wie wirkt sie und wann wirkt sie nicht? Doch zuvor:

Was ist Lasertherapie?
Lasertherapie ist ein moderner Therapieansatz, bei dem die Heilkraft des Lichts in potenzierter Form genutzt wird. Dass Licht heilen kann, ist seit Jahrtausenden bekannt. Aber wir wissen noch nicht lange, welche Anteile des Lichtspektrums Heilung fördern und welche ihr schaden können. Moderne Therapielaser bündeln ausschließlich die für Heilungsprozesse effektivsten Anteile des natürlichen Lichts.
Da bei dieser Potenzierung natürlich auch die Energie, die die Strahlen transportieren, stärker wird, erfolgt sie nur bis zu einem Grad, der dem Körper nicht schaden kann. Bei chirurgischen Lasern, den "Lichtkalpellen", geht es im Gegensatz dazu um den punktgenauen Einsatz hoher, das Gewebe gezielt schädigender, Energie. Hier wird die Intensität, die Hitze gebraucht ("Hot Laser" oder "High Level Laser"). Therapielaser dagegen sind "kalte" Laser. Der übliche internationale Fachbegriff ist korrekterweise "Low-Level-Laser" (abgekürzt LLLaser) oder - auf deutsch- "Niedrig-Energie-Laser".

Gehört Lasertherapie zur Schulmedizin oder zu alternativer Medizin?
Aussagen zur Effektivität der Lasertherapie ruhen heute auf einem breiten schulmedizinischen Fundament und gehören deshalb seit langem nicht mehr zur medizinischen Fabelwelt. Die internationale wissenschaftliche Literatur zur Erforschung der Wirkweise des LLLasers ist kaum mehr zu überblicken. Dennoch wurden bislang keine klassischen, breit angelegten, randomisiert kontrollierten Studien zur Wirkungsweise bei einzelnen Indikationen durchgeführt. Die Lasertherapie gründet deshalb auch heute in erster Linie auf der Erfolgsbestätigung durch die individuell und wiederholt gemachte Erfahrung und einer Vielzahl von Praxis-Kleinstudien. Sie beziehen sich zum überwiegenden Teil auf Anwendungen der Humanmedizin, in der die Lasertherapie inzwischen gerade aufgrund der Bestätigung durch die Praxis weit etabliert ist.

Paradebeispiel Hautulcera
So gehört die Lasertherapie z.B. bei der Wundtherapie chronischer Hautulcera beim Menschen heute meist zum Versorgungsstandard. Lasertherapie beschleunigt die Wundheilung, beugt Komplikationen vor und aktiviert blockierte Heilungsverläufe. So hat der Laser z.B. einen festen Platz in der diabetologischen Praxis (diabetischer Hautulcus), obwohl wir im Verständnis der molekularbiologischen, zellulären Prozesse, die zur Wundheilung führen, erst am Anfang stehen. Viele führende Tierärzte empfehlen die Lasertherapie trotz des primär erfahrungskundlichen Hintergrunds daher zu Recht wärmstens.

Wie wirkt die Lasertherapie?
Auch wenn die funktionellen Erklärungsmodelle zur Wirkungsweise des Lasers noch keineswegs vollständig sind, kennen wir doch zumindest viele seiner wichtigen Wirkprinzipien. Laserlicht einer bestimmten Wellenlänge stimuliert physiologische Prozesse auf Zellebene, auch Photostimulation genannt. Vielfach nachgewiesen ist der Anstieg der ATP-Synthese und damit der für die Zelle verfügbaren Energie, von der sämtliche Mechanismen des Stoffwechsels abhängen. Einzelne beispielhafte Mechanismen, die in Folge aktiviert und gefördert werden und Beispiele für Krankheiten, bei denen diese Mechanismen eine entscheidende Rolle für den Heilungsverlauf spielen, sind nachstehend zusammen gestellt.

Die direkt sichtbare bzw. fühlbare Wirkung auf der Körperebene kann man in vier Hauptkategorien einteilen:

  1. Entzündungshemmung und Abschwellung
  2. Analgesie und Schmerzreduktion
  3. Geweberegeneration
  4. Zirkulationsverbesserung

Wo wird die Lasertherapie in der Tiermedizin eingesetzt?
Da Lasertherapie alle wichtigen physiologischen Heilmechanismen stimuliert, ist sie bei unzähligen Krankheiten einsetzbar. Und in der Tat: In der Humanmedizin findet man sie heute in fast allen Sparten - in der Traumatologie und Chirurgie, in der Orthopädie und Sportmedizin, in der Neurologie, der Inneren Medizin, der HNO-Heilkunde und der Zahnmedizin u.a..
Das Anwendungsspektrum in der Tierheilkunde ist vergleichbar breit gefächert. Hier wird der Laser am häufigsten bei Krankheiten des Bewegungsapparates, zur Wundheilung und bei Hautproblemen herangezogen - und zwar direkt lokal am Problemort mit Hilfe einer Flächendusche, deren Strahlung größere Haut-, Muskel- oder Gelenkareale versorgt. In der Tabelle unten finden Sie eine Auswahl der wichtigsten Anwendungsziele für den Laser in der Tierheilpraxis

Indikationsbeispiele für die Laseranwendung bei Tieren

Hund/Katze

  • Orthopädische Erkrankungen
  • Schmerztherapie
  • Narbenentstörung (besonders Kastrationsnarben)
  • Hauterkrankungen (Hot Spots und Leckekzeme, parasitäre Hauterkrankungen Allergien u.a.)

Pferd

  • Orthopädische Erkrankungen
  • Schmerztherapie
  • Narbenentstörung (auch Kastrationsnarben)
  • Hauterkrankungen
  • Atemwegs-, Magen- und Darmerkrankung
  • Gefäßerkrankungen
  • Stoffwechsel und Entgiftung

Punktlasern
Der Laser hat aber noch ein anderes Talent: Punktlaser - also Laser , die nicht für die Flächenversorgung, sondern gezielt für sehr kleine Areale bzw. Punkte konzipiert sind - können auch Triggerpunkte, Schmerzpunkte, Reflexpunkte und Akupunkturpunkte stimulieren - und zwar schmerzfrei!
Damit erschließt der Laser einen Zugang zu anderen, regulativen Therapieansätzen, die bei Tieren schwieriger umzusetzen sind als beim Menschen. Denn das Stechen von Nadeln oder die Druckstimulation von Triggerpunkten kann vorübergehend schmerzhaft sein und wird von Tieren selten toleriert, während eine Punktur mit Laser schmerz- und auch nebenwirkungsfrei verläuft.

Wie wird die Lasertherapie durchgeführt?
Prinzipiell ist die Anwendung unkompliziert und -sowohl für den Patienten als auch den Therapeuten - ruhig und angenehm. Laserdusche oder Punktlaser werden "nur" auf die Problemzone gehalten und dann aktiviert- und die Behandlung je nach Fall öfters wiederholt. Ich arbeite mit einem A-TECH 50 sowie mit dem PowerTwin 21 von MKW-Lasersysteme für Tiermedizin. Der PowerTwin 21 mit 21 Laserdioden ermöglicht eine nahezu homogene Behandlung sehr großer Flächen mit hoher Laserdichte. Durch einen einfachen Klick ist sie in einen Laserkamm mit vorgesetzten Lichtleitern umrüstbar - damit das Laserlicht auch durch das dichte Fell Ihres Tieres gelangt.

Kurzfilm zur Lasertherapie von Peter Rosin

Kontraindikationen und Therapiehindernisse
Auch bei der Lasertherapie gibt es Kontraindikationen. Sie sind klar aus der Wirkungsweise des Lasers ableitbar.
Beispiele:

  • Thrombose und Thrombophlebitis
  • Großflächige Entzündungen des Unterhautgewebes
  • Stark erhöhte Photosensibilität, Lichtdermatosen
  • Bestrahlung des Auges, auch im Bereich des Orbitalrandes
  • Einnahme arsenhaltiger Medikamente (Erhöht photoallergische Allergiebereitschaft)

Darüber hinaus gibt es Umstände, bei denen man prinzipiell- auch wenn es keine Hinweise auf eine Schädlichkeit gibt - von einer Anwendung absieht.
Beispiele:

  • Tumorpatienten
  • Unbehandelte Epilepsie
  • Trächtigkeit (ab dem 6. Monat im Bauchbereich)
  • Endokrine Organe

Und gibt es auch Therapiehindernisse, d.h. Umstände, die die Wirkung der Lasertherapie so stark beeinträchtigen, dass eine Anwendung oft nicht oder nicht nachhaltig genug Ergebnisse zeigt. Das wichtigste Therapiehindernis ist die Einahme von Zytostatika, Immunsuppressiva oder hochdosierten Kortikoiden.

Da ich das Rad nicht neu erfinden kann und kaum eine bessere Beschreibung zur Lasertherapie bei Tieren finden konnte, habe ich einen Großteil der Worte mit freundlicher Genehmigung des Verfassers des Textes. meinem Dozenten Peter Rosin übernommen.

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